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	<title>Kommentare für Die Lesegruppe</title>
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	<description>Literatur gemeinsam erleben</description>
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		<title>Kommentar zu Fjodor Dostojewskij: Der Spieler von Stefan</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2010/04/fjodor-dostojewskij-der-spieler/comment-page-1/#comment-2139</link>
		<dc:creator>Stefan</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Nov 2010 18:45:20 +0000</pubDate>
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		<description>Auf dieser Seite sollte nichts fehlen, von dem, was sie über Dostojewski schon immer wissen wollten. Wollen Sie von Dostojewski nichts wissen, wird sich das nach dem Besuch dieser Seite anders sein.Garantiert.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dieser Seite sollte nichts fehlen, von dem, was sie über Dostojewski schon immer wissen wollten. Wollen Sie von Dostojewski nichts wissen, wird sich das nach dem Besuch dieser Seite anders sein.Garantiert.</p>
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	<item>
		<title>Kommentar zu T.C. Boyle: América von Maximilian</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2010/06/t-c-boyle-america/comment-page-1/#comment-928</link>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jun 2010 16:58:39 +0000</pubDate>
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		<description>T.C. Boyle ist hier nicht als erster an einem höchst anspruchvollen Vorhaben gescheitert: aus Sicht von Menschen zu schreiben, deren kulturelle Prägung und Lebenswirklichkeit dem Autor völlig unbekannt sind. Sicher, Boyle wird recherchiert haben. Das reicht aber nicht, um - wie Boyle es hier versucht - die Hälfte eines Romans aus der Sicht von hungerleidenden Menschen zu schreiben, die in einem anderen Land aufgewachsen sind, die eine andere Sprache sprechen, deren Leben in jedem Detail völlig anders aussieht als das eines US-amerikanischen Erfolgsautors. Boyle ist in die Falle getappt - mit dem Ergebnis, das Ulja oben schön zusammengefasst hat: Der Autor vermittelt nicht ein Bild von der Lebenswirklichkeit und der Gedankenwelt seiner Protagonisten, sondern bebildert nur seine Vorurteile.

Ich habe mich gefragt, ob das Boyle nicht doch irgendwann selbst aufgefallen ist. Das Buch jedenfalls, das ganz klassisch-realistisch beginnt, gewinnt beim Voranschreiten zunehmend Züge einer Groteske, so rasch folgen die Schicksalsschläge aufeinander, so unwahrscheinlich werden sie. Dieser Versuch, sich in bewusst Übertriebene, ja Märchenhafte zu retten (und so auch das Holzschnittartige der Figuren stimmiger zu machen), kommt allerdings zu spät und ließ das Buch auf mich seltsam unstimmig wirken. Dazu passt das Ende, das sowohl die heile Welt der Amerikaner als auch die brüchigen Provisorien der Mexikaner in einer sintflutartigen Schlammwelle untergehen lässt - ein mutloser, effekthascherischer Schluss, der deutlich macht, dass Boyle nicht mehr wusste, was er mit diesem Text machen sollte.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>T.C. Boyle ist hier nicht als erster an einem höchst anspruchvollen Vorhaben gescheitert: aus Sicht von Menschen zu schreiben, deren kulturelle Prägung und Lebenswirklichkeit dem Autor völlig unbekannt sind. Sicher, Boyle wird recherchiert haben. Das reicht aber nicht, um &#8211; wie Boyle es hier versucht &#8211; die Hälfte eines Romans aus der Sicht von hungerleidenden Menschen zu schreiben, die in einem anderen Land aufgewachsen sind, die eine andere Sprache sprechen, deren Leben in jedem Detail völlig anders aussieht als das eines US-amerikanischen Erfolgsautors. Boyle ist in die Falle getappt &#8211; mit dem Ergebnis, das Ulja oben schön zusammengefasst hat: Der Autor vermittelt nicht ein Bild von der Lebenswirklichkeit und der Gedankenwelt seiner Protagonisten, sondern bebildert nur seine Vorurteile.</p>
<p>Ich habe mich gefragt, ob das Boyle nicht doch irgendwann selbst aufgefallen ist. Das Buch jedenfalls, das ganz klassisch-realistisch beginnt, gewinnt beim Voranschreiten zunehmend Züge einer Groteske, so rasch folgen die Schicksalsschläge aufeinander, so unwahrscheinlich werden sie. Dieser Versuch, sich in bewusst Übertriebene, ja Märchenhafte zu retten (und so auch das Holzschnittartige der Figuren stimmiger zu machen), kommt allerdings zu spät und ließ das Buch auf mich seltsam unstimmig wirken. Dazu passt das Ende, das sowohl die heile Welt der Amerikaner als auch die brüchigen Provisorien der Mexikaner in einer sintflutartigen Schlammwelle untergehen lässt &#8211; ein mutloser, effekthascherischer Schluss, der deutlich macht, dass Boyle nicht mehr wusste, was er mit diesem Text machen sollte.</p>
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	<item>
		<title>Kommentar zu Philip Roth: Zuckermans Befreiung von Lallus</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2010/05/philip-roth-zuckermans-befreiung/comment-page-1/#comment-905</link>
		<dc:creator>Lallus</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 21:54:01 +0000</pubDate>
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		<description>Hi! Ich dachte mal, ich hinterlasse einfach mal einen Eintrag zu Deiner Webseite. Ist dir wirklich hervorragend gelungen. Ich nutze jetzt auch seit einiger Zeit Wordpress, blicke aber noch nicht so ganz durch. Also, eine gute Seite und gute Arbeit, weiter so :-)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hi! Ich dachte mal, ich hinterlasse einfach mal einen Eintrag zu Deiner Webseite. Ist dir wirklich hervorragend gelungen. Ich nutze jetzt auch seit einiger Zeit WordPress, blicke aber noch nicht so ganz durch. Also, eine gute Seite und gute Arbeit, weiter so <img src='http://www.lesegruppe.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Fjodor Dostojewskij: Der Spieler von Ulja</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2010/04/fjodor-dostojewskij-der-spieler/comment-page-1/#comment-418</link>
		<dc:creator>Ulja</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 14:09:47 +0000</pubDate>
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		<description>Dostojewski
Nun ist es schon eine Weile her, dass ich, „der Spieler“ gelesen habe, aber das Buch beschäftigt mich immer noch. Schon relativ am Anfang des Buches auf Seite 18, in der wunderbaren Übersetzung von Svetlana Geier, schreckte mich ein Szene, der Monolog Alexej, aus meinem normal Leseschlaf: 
„Es gab Minuten (und zwar nach unseren Unterhaltungen), dass ich mein halbes Leben gegeben hätte, um sie zu erwürgen! Ich schwöre, dass ich, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, ein spitzes Messer in ihrer Brust zu versenken, es mit Lust, wie mir schien, geführt hätte. Und trotzdem, ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, dass ich, wenn sie auf dem Schlangenberg auf dem beliebten Aussichtspunkt gesagt hätte: „Springen Sie, auf der Stelle gesprungen wäre, sogar mit Lust.“ 
Was für eine Leidenschaft hat dieser Alexej, dachte ich, was für ein Einsatz und was für eine Lebendigkeit. Die wussten noch zu fühlen, die Russen! Und genierten sich nicht es zuzugeben. Bei uns dagegen ist im Jahre 2010 Coolness angesagt. So kalt und distanziert, dass es sogar in Englisch daher kommen muss. 

Der Spieler ist nicht das erste Buch, das wir in der Lesegruppe von Dostojewski gelesen haben. Die Brüder Karamasow führten wir uns schon vor einigen Jahren zu Gemüte. Nebenbei, ein großartiges Buch, das etwas mehr Durchhaltevermögen bei  immerhin 1280 Seiten verlangt. Dagegen hat man bei diesem (mit etwas mehr als 200 Seiten)  leichtes Spiel. Die Ich-Figur Alexej, der Spieler, ist außer sich, ruht nicht in sich selbst, handelt unter Strom und beobachtet sich dabei - und lässt uns also teilhaben an seinem rasanten Rollenwechsel. So ist er Lehrer, Geliebter, Begleiter, Vertrauter, Anbetender, Beobachter, Spieler, Geldgeber, Gewinner und Verlierer. Den Ablauf des kleinen Romans hat Maximilian oben schon beschrieben. So wie Alexej gerät auch die Babuschka, die reiche Großtante auf deren Ableben und Erbe so viele warten, unter Strom. Mit ihrem Rollstuhl steht sie oben an der Treppe und kann es nicht erwarten, dass Alexej wieder mit ihr ins Kasino geht. Die Beschreibung ihres Auftrittes ist großartig. Wie die Menschen um sie herum reagieren. Wie sie von ihrer Umgebung behandelt wird, wenn sie reich ist und wie, wenn sie alles verspielt hat. 
Wo sind die Wirkung des Geldes und die Gier danach, so überragend und direkt beschrieben worden? Und doch ist gleichzeitig kronleuchterglar, dass sich die entscheidenden Dinge nicht kaufen lassen. Alexander verliert seine Geliebte in dem Moment als er seine Aufmerksamkeit von ihr weg, dem Geld zuwendet, dass er für sie gewinnen will. Eine andere Frau wendet sich nicht ihm, sondern seinem Geld zu. Benommen und als Betäubung seines Herzensverlustes, taumelt er mit ihr nach Paris. Wissend, dass sie nicht ihn will, sondern nur sein Geld. Halt an Alexej, wollte ich mehrmals rufen, so wie man in einem spannenden Film den Helden zuruft, halt einmal an. 

Dostojewski hat das alles selbst erlebt. Er war jahrelang spielsüchtig und schrieb diesen Roman unter Zeitdruck, hätte er ihn nicht rechtzeitig abgegeben, wären die Rechte sämtlicher (auch der zukünftigen) Werke an seinen Verleger gefallen. Sein Spielleid hatte ihn Geldnöte und Schulden beschert. 
Spannend finde ich, dass Dostojewski irgendwann von selbst mit dem Spielen aufhörte. Nein, nicht weil eine Frau ihn rettete, die hatte er schon vorher kennen gelernt, beim Diktieren dieses Buches. Die beiden hatten schon zwei Kinder als er mit dem Spielen aufhörte. Aus sich selbst heraus. Er sagte einfach irgendwann: das war jetzt das letzte Mal.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Dostojewski<br />
Nun ist es schon eine Weile her, dass ich, „der Spieler“ gelesen habe, aber das Buch beschäftigt mich immer noch. Schon relativ am Anfang des Buches auf Seite 18, in der wunderbaren Übersetzung von Svetlana Geier, schreckte mich ein Szene, der Monolog Alexej, aus meinem normal Leseschlaf:<br />
„Es gab Minuten (und zwar nach unseren Unterhaltungen), dass ich mein halbes Leben gegeben hätte, um sie zu erwürgen! Ich schwöre, dass ich, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, ein spitzes Messer in ihrer Brust zu versenken, es mit Lust, wie mir schien, geführt hätte. Und trotzdem, ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, dass ich, wenn sie auf dem Schlangenberg auf dem beliebten Aussichtspunkt gesagt hätte: „Springen Sie, auf der Stelle gesprungen wäre, sogar mit Lust.“<br />
Was für eine Leidenschaft hat dieser Alexej, dachte ich, was für ein Einsatz und was für eine Lebendigkeit. Die wussten noch zu fühlen, die Russen! Und genierten sich nicht es zuzugeben. Bei uns dagegen ist im Jahre 2010 Coolness angesagt. So kalt und distanziert, dass es sogar in Englisch daher kommen muss. </p>
<p>Der Spieler ist nicht das erste Buch, das wir in der Lesegruppe von Dostojewski gelesen haben. Die Brüder Karamasow führten wir uns schon vor einigen Jahren zu Gemüte. Nebenbei, ein großartiges Buch, das etwas mehr Durchhaltevermögen bei  immerhin 1280 Seiten verlangt. Dagegen hat man bei diesem (mit etwas mehr als 200 Seiten)  leichtes Spiel. Die Ich-Figur Alexej, der Spieler, ist außer sich, ruht nicht in sich selbst, handelt unter Strom und beobachtet sich dabei &#8211; und lässt uns also teilhaben an seinem rasanten Rollenwechsel. So ist er Lehrer, Geliebter, Begleiter, Vertrauter, Anbetender, Beobachter, Spieler, Geldgeber, Gewinner und Verlierer. Den Ablauf des kleinen Romans hat Maximilian oben schon beschrieben. So wie Alexej gerät auch die Babuschka, die reiche Großtante auf deren Ableben und Erbe so viele warten, unter Strom. Mit ihrem Rollstuhl steht sie oben an der Treppe und kann es nicht erwarten, dass Alexej wieder mit ihr ins Kasino geht. Die Beschreibung ihres Auftrittes ist großartig. Wie die Menschen um sie herum reagieren. Wie sie von ihrer Umgebung behandelt wird, wenn sie reich ist und wie, wenn sie alles verspielt hat.<br />
Wo sind die Wirkung des Geldes und die Gier danach, so überragend und direkt beschrieben worden? Und doch ist gleichzeitig kronleuchterglar, dass sich die entscheidenden Dinge nicht kaufen lassen. Alexander verliert seine Geliebte in dem Moment als er seine Aufmerksamkeit von ihr weg, dem Geld zuwendet, dass er für sie gewinnen will. Eine andere Frau wendet sich nicht ihm, sondern seinem Geld zu. Benommen und als Betäubung seines Herzensverlustes, taumelt er mit ihr nach Paris. Wissend, dass sie nicht ihn will, sondern nur sein Geld. Halt an Alexej, wollte ich mehrmals rufen, so wie man in einem spannenden Film den Helden zuruft, halt einmal an. </p>
<p>Dostojewski hat das alles selbst erlebt. Er war jahrelang spielsüchtig und schrieb diesen Roman unter Zeitdruck, hätte er ihn nicht rechtzeitig abgegeben, wären die Rechte sämtlicher (auch der zukünftigen) Werke an seinen Verleger gefallen. Sein Spielleid hatte ihn Geldnöte und Schulden beschert.<br />
Spannend finde ich, dass Dostojewski irgendwann von selbst mit dem Spielen aufhörte. Nein, nicht weil eine Frau ihn rettete, die hatte er schon vorher kennen gelernt, beim Diktieren dieses Buches. Die beiden hatten schon zwei Kinder als er mit dem Spielen aufhörte. Aus sich selbst heraus. Er sagte einfach irgendwann: das war jetzt das letzte Mal.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Elfriede Jelinek: Lust von Jody Betcher</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2009/04/elfriede-jelinek-lust/comment-page-1/#comment-298</link>
		<dc:creator>Jody Betcher</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 16:16:29 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.lesegruppe.de/?p=30#comment-298</guid>
		<description>Juhu endlich habe bei dir hier in dem Artikel genau das gefunden was ich suchte. Ich dachte schon das ich im Internet nichts mehr finde und bin fast verzweifelt. Aber jetzt bin ich erst mal gluecklich vielen dank noch einmal.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Juhu endlich habe bei dir hier in dem Artikel genau das gefunden was ich suchte. Ich dachte schon das ich im Internet nichts mehr finde und bin fast verzweifelt. Aber jetzt bin ich erst mal gluecklich vielen dank noch einmal.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu David Foster Wallace: Unendlicher Spaß von lesen</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2010/03/david-foster-wallace_unendlicher-spass_infinite-jest/comment-page-1/#comment-240</link>
		<dc:creator>lesen</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 16:05:06 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.lesegruppe.de/?p=145#comment-240</guid>
		<description>Hilfreicher Artikel !   Ich las gerade einen vergleichbaren   Blogpost ueber &lt;a href=&quot;http://buchlesen.livejournal.com&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Buchempfehlungen &lt;/a&gt; und auf meiner Suche fand ich erfreulicherweise diese Seite</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hilfreicher Artikel !   Ich las gerade einen vergleichbaren   Blogpost ueber <a href="http://buchlesen.livejournal.com" rel="nofollow">Buchempfehlungen </a> und auf meiner Suche fand ich erfreulicherweise diese Seite</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu David Foster Wallace: Unendlicher Spaß von Maximilian</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2010/03/david-foster-wallace_unendlicher-spass_infinite-jest/comment-page-1/#comment-235</link>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 10:40:43 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.lesegruppe.de/?p=145#comment-235</guid>
		<description>Maßlose Meditation

Ulja hat schon hervorgehoben, was nach über tausend Seiten voller irrwitziger Einfälle, voller kaputter Menschen, Familien und Gesellschaften, voll zynischen Humors und kaltblütiger Gewalt das überraschende Fazit dieses monumentalen Romans ist: Konzentriere Dich auf den Moment, dann kannst Du ihn auch überleben. Wenn Du jeden Abend zu einem anderen Treffen der Anonymen Alkoholiker gehst, wirst Du alt und weise werden und Neulingen als Krokodil beistehen können.

Dieses Fazit ist zu Beginn nicht unbedingt naheliegend. Zu Beginn hat mich dieser Text zunächst durch seine Maßlosigkeit überrascht und begeistert: &quot;Himself&quot;, der Gründer der Enfield Tennisakademie, der Vater der jugendlichen Hauptfigur Hal und ein begnadeter Erforscher optischer Phänomene, wird eingeführt als jemand, der seine letzten Lebensjahre dem experimentellen Film gewidmet hat - gefolgt von Anmerkung 24, die (in der englischen Ausgabe) auf neun engbedruckten Seiten die komplette Filmographie dieses Filmemachers aufführt, inklusive Längen, Besetzung und Inhalt. Das zu erdenken war sicherlich ein unendlicher Spaß für David Foster Wallace, und ich kam beim Lesen aus dem Staunen nicht heraus. Und noch dazu sind Anmerkungen wie diese nicht einmal nur Ausfluss des Spieltriebs ihres Autors - man bekommt auch wertvolle Informationen, um überhaupt zu verstehen, was hier abgeht.

Zunächst nämlich startet das Buch in einer Welt, die zwar in der nahen Zukunft liegt, aber trotzdem sehr fremdartig ist. Es gibt zum Beispiel keine Fernsehsender mehr. Stattdessen gibt es einen monopolistischen Kassetten-Vertrieb, der außerdem gepulst Programme in die Haushalte übermittelt. Es gibt keine Jahreszahlen mehr; stattdessen sind die Jahre nach Produkten benannt. Es gibt auch keine USA mehr, jedenfalls nicht im ursprünglichen Sinne; stattdessen haben sich Kanada, die USA und Mexiko zu &quot;O.N.A.N.&quot; zusammengeschlossen, der Organisation Nord-Amerikanischer Nationen. Wie es zu all dem kam, wird im Laufe des Buches fein säuberlich erklärt - irrwitzig, aber folgerichtig. Aber nur, wenn man auch die Anmerkungen liest.

Überhaupt ist das Buch keineswegs die experimentelle Sammlung detailreicher Beschreibungen, als die es anfangs erscheint. Im Gegenteil - zwischendrin entwickelt es sich geradezu zu einer Art Krimi. Dreh- und Angelpunkt ist &quot;Unendlicher Spaß&quot;, der letzte Film von &quot;Himself&quot;. Er hat eine erschreckende Eigenschaft: Wer immer auch nur einen kurzen Blick auf ihn wirft, dessen Geist wird unwiederbringlich infantilisiert: Man will nichts anderes mehr, als immer wieder diesen Film zu schauen - bis man, wenn niemand eingreift, stirbt. Diese Eigenschaft findet der US-Geheimdienst erschreckend, während eine Gruppe kanadischer Separatisten den Film gerne als Attentatswaffe einsetzen würde. Beide Organisationen machen sich also auf die Suche nach dem kopierbaren Master des Films - und nähern sich so immer mehr der Tennisakademie, aber auch dem Enfield-Entziehungsheim: Dort landet nämlich die rätselhafte Joelle, die Hauptdarstellerin von &quot;Unendlicher Spaß&quot;. Wie es sich für einen klassischen Roman gehört, sind also alle Hauptfiguren und -orte dieses Textes fein säuberlich miteinander verknüpft: die Tennisakademie, das Entziehungsheim, der Berg, auf dem sich ein Geheimdienstler und ein Separatist miteinander unterhalten.

Trotzdem ist es nicht die Handlung, die einen durch dieses Buch treibt (und es ist auch nicht nur die Lesegruppe). Zu einem Ende kommt diese Suche auf den über 1000 Seiten eh nicht. Es ist auch nicht das Thema, die Sucht nach Ablenkung und Vergnügen, die uns Drogen nehmen, &quot;Unendlicher Spaß&quot; schauen oder blind ein Ziel verfolgen lassen, bis wir uns in den Tod gelenkt haben. Es sind die ausnehmend präzisen, blendend geschriebenen und nicht selten überraschenden Beschreibungen, die dieses Buch auszeichnen. Und natürlich die abgefahrenen Ideen, die ungebremst aus David Foster Wallace herausströmen: ein leider und zum Glück schließlich doch endender Spaß.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Maßlose Meditation</p>
<p>Ulja hat schon hervorgehoben, was nach über tausend Seiten voller irrwitziger Einfälle, voller kaputter Menschen, Familien und Gesellschaften, voll zynischen Humors und kaltblütiger Gewalt das überraschende Fazit dieses monumentalen Romans ist: Konzentriere Dich auf den Moment, dann kannst Du ihn auch überleben. Wenn Du jeden Abend zu einem anderen Treffen der Anonymen Alkoholiker gehst, wirst Du alt und weise werden und Neulingen als Krokodil beistehen können.</p>
<p>Dieses Fazit ist zu Beginn nicht unbedingt naheliegend. Zu Beginn hat mich dieser Text zunächst durch seine Maßlosigkeit überrascht und begeistert: &#8220;Himself&#8221;, der Gründer der Enfield Tennisakademie, der Vater der jugendlichen Hauptfigur Hal und ein begnadeter Erforscher optischer Phänomene, wird eingeführt als jemand, der seine letzten Lebensjahre dem experimentellen Film gewidmet hat &#8211; gefolgt von Anmerkung 24, die (in der englischen Ausgabe) auf neun engbedruckten Seiten die komplette Filmographie dieses Filmemachers aufführt, inklusive Längen, Besetzung und Inhalt. Das zu erdenken war sicherlich ein unendlicher Spaß für David Foster Wallace, und ich kam beim Lesen aus dem Staunen nicht heraus. Und noch dazu sind Anmerkungen wie diese nicht einmal nur Ausfluss des Spieltriebs ihres Autors &#8211; man bekommt auch wertvolle Informationen, um überhaupt zu verstehen, was hier abgeht.</p>
<p>Zunächst nämlich startet das Buch in einer Welt, die zwar in der nahen Zukunft liegt, aber trotzdem sehr fremdartig ist. Es gibt zum Beispiel keine Fernsehsender mehr. Stattdessen gibt es einen monopolistischen Kassetten-Vertrieb, der außerdem gepulst Programme in die Haushalte übermittelt. Es gibt keine Jahreszahlen mehr; stattdessen sind die Jahre nach Produkten benannt. Es gibt auch keine USA mehr, jedenfalls nicht im ursprünglichen Sinne; stattdessen haben sich Kanada, die USA und Mexiko zu &#8220;O.N.A.N.&#8221; zusammengeschlossen, der Organisation Nord-Amerikanischer Nationen. Wie es zu all dem kam, wird im Laufe des Buches fein säuberlich erklärt &#8211; irrwitzig, aber folgerichtig. Aber nur, wenn man auch die Anmerkungen liest.</p>
<p>Überhaupt ist das Buch keineswegs die experimentelle Sammlung detailreicher Beschreibungen, als die es anfangs erscheint. Im Gegenteil &#8211; zwischendrin entwickelt es sich geradezu zu einer Art Krimi. Dreh- und Angelpunkt ist &#8220;Unendlicher Spaß&#8221;, der letzte Film von &#8220;Himself&#8221;. Er hat eine erschreckende Eigenschaft: Wer immer auch nur einen kurzen Blick auf ihn wirft, dessen Geist wird unwiederbringlich infantilisiert: Man will nichts anderes mehr, als immer wieder diesen Film zu schauen &#8211; bis man, wenn niemand eingreift, stirbt. Diese Eigenschaft findet der US-Geheimdienst erschreckend, während eine Gruppe kanadischer Separatisten den Film gerne als Attentatswaffe einsetzen würde. Beide Organisationen machen sich also auf die Suche nach dem kopierbaren Master des Films &#8211; und nähern sich so immer mehr der Tennisakademie, aber auch dem Enfield-Entziehungsheim: Dort landet nämlich die rätselhafte Joelle, die Hauptdarstellerin von &#8220;Unendlicher Spaß&#8221;. Wie es sich für einen klassischen Roman gehört, sind also alle Hauptfiguren und -orte dieses Textes fein säuberlich miteinander verknüpft: die Tennisakademie, das Entziehungsheim, der Berg, auf dem sich ein Geheimdienstler und ein Separatist miteinander unterhalten.</p>
<p>Trotzdem ist es nicht die Handlung, die einen durch dieses Buch treibt (und es ist auch nicht nur die Lesegruppe). Zu einem Ende kommt diese Suche auf den über 1000 Seiten eh nicht. Es ist auch nicht das Thema, die Sucht nach Ablenkung und Vergnügen, die uns Drogen nehmen, &#8220;Unendlicher Spaß&#8221; schauen oder blind ein Ziel verfolgen lassen, bis wir uns in den Tod gelenkt haben. Es sind die ausnehmend präzisen, blendend geschriebenen und nicht selten überraschenden Beschreibungen, die dieses Buch auszeichnen. Und natürlich die abgefahrenen Ideen, die ungebremst aus David Foster Wallace herausströmen: ein leider und zum Glück schließlich doch endender Spaß.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentar zu Michael Stauffer: Soforthilfe von Der Ratgeber</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2009/07/michael-stauffer-soforthilfe/comment-page-1/#comment-22</link>
		<dc:creator>Der Ratgeber</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Aug 2009 19:18:17 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.lesegruppe.de/?p=81#comment-22</guid>
		<description>Gruss Stauffer und lest gut weiter!</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Gruss Stauffer und lest gut weiter!</p>
]]></content:encoded>
	</item>
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