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	<title>Die Lesegruppe</title>
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	<description>Literatur gemeinsam erleben</description>
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		<title>Michel Houellebecq: Karte und Gebiet</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jun 2011 09:01:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Houellebecq]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Meisterwerk? Sieht ganz so aus!

"Write what you  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Meisterwerk? Sieht ganz so aus!</strong></p>
<p>&#8220;Write what you know&#8221; &#8211; &#8220;Schreibe über das, was Du kennst!&#8221;: Auf den ersten Blick hat Michel Houellebecq diesen beliebten, schon zum Klischee gewordenen Ratschlag für Autoren bei seinem neuen Roman geradezu beispielhaft beherzigt. Houellebecq begleitet hier nicht einen chinesischen Wanderarbeiter oder eine palästinensische Selbstmordattentäterin. &#8220;Karte und Gebiet&#8221; spielt in Frankreich, in Pariser Künstlerkreisen &#8211; und eine der Hauptfiguren ist Michel Houellebecq, Autor der &#8220;Elementarteilchen&#8221;. Noch näher dran scheint kaum zu gehen.</p>
<p>Auf den zweiten Blick allerdings &#8211; und das gehört zu dem, was mich an diesem Text am meisten beeindruckt hat &#8211; hat Houellebecq mit &#8220;Karte und Gebiet&#8221; gar keinen Roman vorgelegt, sondern ein Konzeptkunstwerk. Houellebecq ist mit diesem Werk vom Schriftsteller zum Bildenden Künstler geworden. </p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;ref=tf_til&#038;asins=3832196390" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe><br />
Wie ihm das gelungen ist? Houellebecq hat für seine Hauptfigur Jed eine komplette zeitgenössische Künstlerkarriere erschaffen, die verblüffend überzeugend ist. Von den Anfängen mit analoger Fotografie industriell gefertigter Objekte über seine Großaufnahmen von Michelin-Karten französischer Departements bis zu seiner Hinwendung zur Malerei, in der er Menschen bei der Ausübung ihres Berufes zeigt, und den abschließenden Videoarbeiten zum Thema Verfall hat diese Karriere eine innere Logik, haben die einzelnen, genau beschriebenen Werke eine solche Präsenz, dass man kaum glauben kann, dass es diesen Künstler nicht gibt &#8211; eigentlich warte ich nur darauf, dass jemand diese Handlungsanweisungen in die Tat umsetzt. &#8220;Die Karte ist interessanter als das Gebiet&#8221;: Diesen Titel von Jeds erster großer Ausstellung kann sofort nachvollziehen, wer mal mit einer von Michelins Departementalkarten vor Augen durch Frankreich gefahren ist. Nach kurzer Eingewöhnung verrät einem der Blick auf die Karte sofort, wie es an der entsprechenden Stelle aussehen wird. Muss man überhaupt noch hinfahren?</p>
<p>Dieser Blick auf das Detail zeichnet den ganzen Text aus. Häufig sind es die Produkte der Warenwirtschaft, in denen für Houellebecq die Verfasstheit der Gesellschaft aufscheint: Die &#8220;Baby 1&#8243;- und &#8220;Baby 2&#8243;-Programme seiner neuen Samsung-Digitalkamera zum Beispiel führen dem einsam vor sich hin werkelnden Jed vor Augen, dass das vielleicht doch nicht das richtige Modell für ihn ist &#8211; und werfen die Frage auf, wer eigentlich zwei unterschiedliche Programme für die Babyfotografie benötigt (und worin sie sich unterscheiden). Überhaupt ist dieser Jed eine sehr dankbare Hauptfigur: Jahrzehnte in seinem Atelier vergraben lebt er ein wenig außerhalb der &#8220;normalen&#8221; Realität &#8211; und wird, wenn er denn doch einmal nach draußen geht, zum neugierigen, unvoreingenommenen Beobachter, der die Merkwürdigkeiten unseres Alltags fast wie ein Kind registriert und akzeptiert.</p>
<p>Was nicht heißt, dass dieser Jed ein gefühlskalter Beobachter wäre. Eine wichtige Rolle spielt für ihn seine Beziehung zu seinem Vater, die nie so eng wird, wie er sich das gewünscht hätte. Als sein Vater schließlich, ohne Jed vorher zu konsultieren, seinem Leben mit Unterstützung der Sterbehilfeorganisation Dignitas ein Ende setzt, stellt Jed auf dem Weg zur schweizer Zentrale zwar noch mit einer gewissen Erleichterung fest, dass sich neben dieser todbringenden Adresse ein Lebensfreude versprühendes Bordell befindet &#8211; als er sich aber schließlich einer Dignitas-Sachbearbeiterin gegenüber sieht, regt er sich so auf, dass er die Frau bewusstlos schlägt.</p>
<p>Apropos Bordell: Sexualität spielt in diesem Buch &#8211; jedenfalls für einen Houellebecq-Roman &#8211; eine überraschend untergeordnete Rolle. Jed hat eine Zeitlang eine Beziehung zu einer der schönsten Frauen von Paris, aber seine Karriere ist ihm dann doch wichtiger, als ihr nach Russland zu folgen (wo sie ihre Karriere verfolgt). Ansonsten bestellt er sich zwar ab und an ein Escort-Girl, aber auch das wird nur nebenbei erwähnt. Im letzten Teil des Buches, in dem ein Kommissar den Mörder Houellebeqcs sucht, lässt sich dieser Kommissar zwar lobend über die Brustvergrößerung seiner Frau aus (weil sie sexuelle Bereitschaft signalisiere, was einer Ehe nur guttun könne), insgesamt wird die Beziehung der beiden aber keineswegs als von Sex bestimmt dargestellt, sondern im Gegenteil als in jeder Hinsicht höchst liebevoll.</p>
<p>Erfreulich wenig Predigt also in diesem Buch; wer eine Moral sucht, wird es schwer haben. Houellebecq wird als einsamer Säufer dargestellt, der am Ende auf dem Lande dann aber doch ein wenig Glück findet. Jed wird als jemand geschildert, der überhaupt nicht auf die Idee kommt, sein Leben, das sich hauptsächlich im Atelier abspielt, in irgendeiner Form in Frage zu stellen &#8211; was ihn aber nicht glücklich macht: Glück spielt für ihn schlicht keine Rolle. Zu diesen einsamen Männerfiguren, die im Endeffekt irgendwie mit sich klarkommen, gesellt sich der glücklich verheiratete Kommissar, dessen Dasein Houellebecq durchaus mit Sympathie darstellt. Und auch Frauen tauchen nicht nur als Escort-Girls auf: Sowohl Jeds wunderhübsche Freundin als auch seine Presseagentin gehen ihre eigenen, höchst erfolgreichen Wege, ohne sich dabei von Männern oder irgendwelchen Konventionen aufhalten zu lassen (letztere nutzen sie höchstens zum eigenen Vorteil).</p>
<p>Gewöhnungsbedürftig ist einzig der Bruch zu Beginn des dritten Teils, als kurzzeitig der Kommissar zur Hauptfigur wird und sich die Frage in den Vordergrund drängt, warum Houellebecq sich in seinem eigenen Buch so bestialisch ermorden lässt &#8211; eine Frage, auf die es keine Antwort gibt und die auch schnell wieder aus dem Focus rückt. Abgesehen davon ließt sich dieser Roman zu allem Überfluss auch noch äußerst flüssig &#8211; trotz seiner durchaus nicht simplen Konstruktion mit ineinandergeschachtelten Zeitebenen und verschiedenen, von einem unaufdringlichen allwissenden Erzähler gesteuerten Stimmen. </p>
<p>Ein Meisterwerk? Ja!</p>
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		<title>Mario Vargas Llosa: Das grüne Haus</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 09:45:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>

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		<description><![CDATA[Das falsche Buch zur falschen Zeit

Irgendwie habe ic [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das falsche Buch zur falschen Zeit</strong></p>
<p>Irgendwie habe ich das Gefühl, dass „Das grüne Haus“ ein gutes Buch ist. Leider weiß ich es nicht genau. Bisher habe ich nur die Hälfte gelesen, und es ist mir noch nicht so recht gelungen, die verschiedenen Orte, Zeiten und Figuren zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;ref=tf_til&#038;asins=3518368427" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe><br />
Das liegt auch daran, dass ich derzeit so viel zu tun habe. Ich komme nur abends zum Lesen, zehn, fünfzehn Minuten vor dem Einschlafen. Und so erinnere ich mich, wenn Jum wieder auftaucht, nicht mehr so genau, was in der letzten Episode mit ihm eigentlich passiert war. Mir ist unklar, wie lange Lalita nun schon mit dem Lotsen zusammen ist &#8211; war sie nicht in der letzten Episode noch ein Kind? &#8211; oder wie lange Bonifacia nun schon bei ihr und dem Lotsen lebt. Fushia, offenbar ein Japaner, fährt endlos mit Aquilino über irgendwelche Flüsse und jammert dabei herum, wieviel Pech er in seinem Leben gehabt habe. Nonnen rauben Eingeborenenmädchen aus dem Urwald. Soldaten auch, allerdings aus anderem Grunde. Drei Gauner treffen einen vierten &#8211; Lituma &#8211; wieder, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, und ziehen mit ihm durch die Kneipen. Sand rieselt auf Piura. </p>
<p>Und das grüne Haus? Ist ein Bordell, das Don Anselmo am Rande von Piura errichtet, das zwischendurch von einem aufgebrachten Mob unter Leitung des Pfarrers in Brand gesteckt, offenbar aber wieder aufgebaut wird. Laut Klappentext landet Bonifacia &#8211; einst selbst von den Nonnen aus dem Urwald verschleppt, dann aber von ihnen verstoßen, weil sie später aus Mitleid anderen Mädchen zur Flucht verholfen hatte &#8211; irgendwann als Prostituierte im grünen Haus, aber das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht so recht absehbar. Lalita war mal mit Fushia zusammen. Irgendetwas verbindet Lituma mit einer der Frauen aus dem grünen Haus. Es ist nicht so, dass die Episoden keinen Zusammenhang hätten.</p>
<p>Aber es ist schwer, den Überblick zu behalten. Ein weiterer Grund dafür ist, dass mir Land und Leute fremd sind. Ich kenne die Pflanzen Perus nicht und die Tiere auch nicht; nicht die Speisen, nicht die Sprachen, nicht die Stämme. Das Klima ist mir unbekannt, ich kann die Entfernungen nicht einschätzen.</p>
<p>So gleicht das Lesen dieses Buches einem Tasten durch schummrig erleuchtete Gänge. Nur langsam erschließt sich der Plan des Labyrinths. </p>
<p>Die Frage ist natürlich: Muss das so sein? Schafft es Mario Vargas Llosa dadurch, dass er teilweise innerhalb von einem Satz mehrere Sprünge durch Raum und Zeit unterbringt, auf 500 Seiten zu erzählen, wofür er sonst 2000 gebraucht hätte? Bildet die Struktur eine Weltsicht ab, in der nicht alles in einer fein säuberlichen Abfolge von Ursache und Wirkung folgt, in der das Leben nicht auf einer geraden Linie vom Leben zum Tod führt? Ich weiß es nicht; und deswegen weiß ich noch nicht, ob „Das grüne Haus“ ein gutes Buch ist.<br />
Immerhin könnte es ein gutes Buch sein. Insbesondere die Atmosphäre von Orten &#8211; ob es das sandberieselte Piura ist oder die Schwüle des Urwalds, wo die Luft hauptsächlich aus Insekten besteht &#8211; wird bei Vargas Llosa durch wenige, geschickt gewählte Eindrücke höchst lebendig; und es wirkt immer so, als würde zumindest er selbst den Überblick über seine Konstrukte bewahren.</p>
<p>Ein gutes Buch? Ich bin gespannt, ob ich es zu Ende lesen werde&#8230;</p>
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		<title>Italo Calvino: Wenn ein Reisender in einer Winternacht</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Feb 2011 07:42:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Roman, zehn Romananfänge, ein literarisches Verwir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Roman, zehn Romananfänge, ein literarisches Verwirrspiel</strong></p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=342310516X" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe><br />
„Wenn ein Reisender in einer Winternacht“, vor über 30 Jahren erschienen, ist längst ein Klassiker der europäischen Literatur. Allerdings kein typischer Klassiker: Während die von allen gelobt und von den meisten nie gelesen werden, wird „Wenn ein Reisender&#8230;“ von manchen geliebt und gelesen und von anderen kritisiert und verschmäht. </p>
<p>Der Grund dafür ist, dass dieser Roman zur experimentellen Literatur zählt, zu einer Gattung also, die nur wenige Klassiker hervorgebracht hat und noch weniger Bücher, die tatsächlich von einer nennenswerten Menge von Menschen gelesen werden. Gelesen aber wird „Wenn ein Reisender&#8230;“ durchaus, was wiederum daran liegt, dass dieses Buch keine blutleere Vorführung irgendwelcher Prinzipien, sondern höchst amüsant zu lesen ist – wenn man sich darauf einlässt.</p>
<p>Einlassen muss man sich auf Italo Calvinos Roman, daran führt kein Weg vorbei. Das beginnt schon mit der Erzählperspektive: Der Leser, die Leserin werden auf ihrem Weg durch die Seiten des Buches konsequent mit „Du“ angesprochen und beim Lesen begleitet. Diese ungewöhnliche Ansprache ist Geschmackssache: Wer sich dadurch seiner geliebten Identifikationsmöglichkeit beraubt sieht, wird darauf genervt reagieren. Die anderen freuen sich darüber, wie geistreich und locker Calvino die selbst gestellte formale Herausforderung meistert – getreu dem Grundgedanken der Oulipo-Gruppe, der Calvino angehörte: Ein Oulipo-Mitglied baut sich selbst das Labyrinth, aus dem es wieder herausfinden muss.</p>
<p>Und nimmt einen dabei mit. So begibt man sich also mit dem und als Leser auf die Suche nach dem Roman, den man gerade liest. Diese Suche gestaltet sich schwierig, denn „Wenn ein Reisender&#8230;“ ist falsch gebunden auf den Markt gekommen: Nach wenigen Seiten, als es gerade spannend geworden ist, bricht der Roman (offenbar ein Krimi) ab – besser gesagt: die ersten Seiten wiederholen sich immer wieder. Beim Versuch, ein intaktes Exemplar in die Hand zu bekommen, stößt der Leser auf einen neuen Roman. Und so geht es immer weiter. Die Suche bringt den Leser nicht nur in Kontakt mit einer Leserin, die sich an seiner Detektivarbeit beteiligt: Sie führt ihn auch in die labyrinthischen Büros des Verlages und schließlich sogar in ferne Diktaturen, in denen die Zensur ein freies Lesen unmöglich macht – fast unmöglich, denn immerhin die Zensoren müssen ja noch lesen&#8230;</p>
<p>Diese Suche ist streckenweise spannend, teilweise aberwitzig, immer aber eine Meditation über das Lesen: Warum lesen wir? Was macht ein Buch aus, das uns gefällt? Wie ist es aufgebaut? Wohin führt uns die Lektüre? Für Leser und Leserin in diesem Roman ist die Antwort klar: Sie finden sich – allerdings nicht, bevor sie nicht auf zehn verschiedene Romananfänge ganz unterschiedlichen Stils und Inhalts gestoßen sind. </p>
<p>Und wir, die Leserinnen und Leser, die „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ vollständig in der Hand halten? Wenn wir uns auf die Anregungen einlassen, die uns Calvino gibt, haben wir am Ende viel über Literatur, über unsere eigenen Vorlieben und unser eigenes Lesen gelernt. In diesem Sinne ist der Roman eine Art Konzeptkunstwerk: Statt einen normalen Roman vorzulegen, gibt Calvino eine Reihe von Hinweisen, aus denen wir uns selbst unser Buch zusammensetzen. Und am Ende haben wir auch viel gelacht: über Calvinos irrwitzige Einfälle, über seine Anspielungen, über die Frechheit, die Romananfänge immer an der spannendsten Stelle abbrechen zu lassen, und über den letzten Satz des Lesenden: „Einen Moment noch. Ich beende grad &#8216;Wenn ein Reisender in einer Winternacht&#8217; von Italo Calvino.“</p>
<p>Wer sich nicht darauf einlässt, hat weniger Spaß: ärgert sich über die abgebrochenen Romananfänge, ist genervt davon, ständig angesprochen zu werden, vermisst das „Hineingezogenwerden“ in den Text, empfindet die Lektüre als Zeitverschwendung. Was, das will ich nicht verschweigen, leider dem größeren Teil der Lesegruppe so ging. Schade!</p>
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		<title>F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Feb 2011 07:34:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[American Dream]]></category>
		<category><![CDATA[American Way of Life]]></category>
		<category><![CDATA[Der große Gatsby]]></category>
		<category><![CDATA[F.Scott Fitzgerald]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Liebe ist ein Wahn, Freundschaft nur eine Illusion, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Liebe ist ein Wahn, Freundschaft nur eine Illusion, Ehrbarkeit eine Frage des Geldes und ein Menschenleben nicht viel wert: F. Scott Fitzgeralds Kritik des „American Dream“.</strong></p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=3257065183" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe><br />
Der große Gatsby ist ein Rätsel. Der Faszination dieses Rätsels kann sich auch der junge Nick Carraway nicht entziehen, als er eines Tages ein kleines Haus im Schatten eines Palastes auf Long Island bezieht und so Gatsbys Nachbar wird. Dieser Gatsby scheint über unermessliche Mengen von Geld zu verfügen – aber woher es stammt, bleibt unklar; regelmäßig gibt er dekadente Partys, zu denen die oberen Zehntausend von New York erscheinen – aber er selbst scheint daran keinen Anteil zu nehmen, als einsamer Beobachter steht er im Haus und schaut über die Menge; am Telefon gibt er herrisch Anweisungen – wirkt im persönlichen Umgang aber scheu und unsicher. Umso verwunderter ist Carraway, als Gatsby seinen neuen Nachbarn eines Tages nicht nur zu einer seiner Partys einlädt, sondern ihn auch näher kennenlernen möchte.</p>
<p>Dieses Rätsel immerhin löst sich rasch auf: Gatsby ist an Carraways Nichte Daisy interessiert, die am anderen Ende der Bucht lebt – und die ist verheiratet. Die Ehe glücklich zu nennen wäre übertrieben: Geld ist auch hier in Unmengen vorhanden, aber Daisy und ihr Ehemann Tom langweilen sich unermesslich. Tom tröstet sich mit einer Geliebten, Daisy flüchtet sich in eine nervöse Überspanntheit, in der sie von Ablenkung zu Ablenkung springt und nicht mal mehr Aufmerksamkeit für ihre Tochter übrig hat. Trotzdem, sie ist verheiratet; und so nutzt Gatsby Nick, um an Daisy heranzukommen. Er bringt ihn dazu, Daisy zum Tee einzuladen, und wartet selbst in Nicks Haus auf sie. </p>
<p>Nick nimmt ihm das nicht übel. Daisys Freundin Jordan, mit der er unterdessen ein seltsam unentschlossenes Paar bildet, hat ihm die Lage erklärt: Gatsby hatte sich schon vor dem Krieg in Daisy verliebt; die hatte allerdings nicht auf seine Rückkehr gewartet, sondern zwischendurch den reichen Tom geheiratet. Gatsby, davon überzeugt, dass auch Daisy ihn unsterblich liebt, konnte sich das nur damit erklären, das Tom reich war und er selbst arm. Unterdessen steinreich geworden sieht er das einzige Hindernis für eine Verbindung mit Daisy aus dem Weg geräumt.</p>
<p>Leider teilt Daisy Gatsbys Vorstellung von der alles überdauernden, ewigen Liebe nicht. Sie ist da viel pragmatischer: Gatsby kann sie noch so berauscht durch seinen Palast führen und in einer absurden Szene unter einem Berg seiner maßgeschneiderten Hemden begraben, er kann ihr noch so stolz eine seiner rauschenden Partys präsentieren – sie mag ihn zwar, aber das gilt auch für ihren Mann Tom. Fast wirkt es so, als sei es Daisy egal, mit wem sie die Zeit totschlägt, solange er nur Geld hat und keine zu hohen Ansprüche an sie stellt; mit Gatsbys romantischem Überschwang, mit seiner Unbedingtheit kann sie nichts anfangen. So wird die Aussprache, die Gatsby bei einem gemeinsamen Ausflug nach New York erzwingt, zum Desaster: Gatsby verlangt von Daisy, dass sie ihrem Mann in die Augen sagt, sie habe ihn nie geliebt; das aber schafft sie nicht – weil es nicht stimmt und weil Gatsbys Unerbittlichkeit sie ängstigt.</p>
<p>Das Unglück nimmt seinen Lauf: Aufgewühlt am Steuer von Gatsbys Wagen sitzend läuft Daisy ausgerechnet Toms Geliebte vor die Stoßstange. Gatsby sorgt dafür, dass Daisy nicht anhält, und lässt Tom in dem Glauben, er selbst habe den Unfall verursacht. Was dieser brühwarm dem Mann seiner toten Geliebten steckt: Der fragt sich zu Gatsbys Villa durch und schießt den Inhaber im Pool über den Haufen.</p>
<p>Jetzt, wo Gatsby tot ist, zeigt sich, wie allein er die ganze Zeit war. Niemand erscheint bei seiner Beerdigung: nicht die Gangster, mit deren Hilfe er sich seine Reichtümer zusammengegaunert hat; nicht die Gäste seiner Partys, die sich so häufig bei ihm amüsiert hatten. Einzig sein alter Vater findet den Weg zur Zeremonie, zusammen mit einem rätselhaften Mitbewohner Gatsbys.</p>
<p>Und Nick, der große Beobachter. Wahrlich kein Mann der Tat nimmt er sich doch des toten Freundes an und begleitet ihn auf seinem letzten Weg. Sein Wissen um den wahren Hergang des Autounfalls behält er für sich, auch wenn er nie begreifen wird, wie Daisy mit dieser Schuld leben kann. Aber die ist da halt viel pragmatischer.</p>
<p>F. Scott Fitzgeralds Roman zählt heutzutage zu den Klassikern der amerikanischen Literatur. Er verbindet eine moderne, klare Erzählsprache mit der geschickt gewählten Perspektive des integeren Außenseiters, mit dem sich die Leser – zumeist wahrscheinlich ebenfalls keine Multimillionäre – identifizieren und durch dessen Augen sie das Treiben dieser maroden Gesellschaft beobachten können. Geld ist der Maßstab aller Dinge; wer, mit legalen oder illegalen Methoden, genug davon angehäuft hat, weiß nichts mehr mit sich anzufangen, treibt ziellos durch die Tage und schlägt die Zeit mit allerhand Vergnügungen tot; wer nicht genügend davon besitzt, ist es höchstens wert, benutzt zu werden: als Bediensteter, als Geliebte. Der einzige, der diese Entwicklung nicht mitgemacht hat, ist Gatsby selbst. Für ihn ist das Geld nur Mittel zum Zweck; er glaubt noch an die Liebe. Allerdings tut er das auf so eine überspannte, weltfremde Art und Weise, dass er nicht zum positiven Gegenbild taugt: Seine Liebe ist nicht Hinwendung zu einem Menschen, sie ist Verblendung und Besitzstreben. So geht er am Ende zugrunde, während die Party an anderer Stelle weitergeht.</p>
<p>Und Nick? Geld scheint ihm nicht viel zu bedeuten; fest auf dem Boden des amerikanischen Traums steht aber auch er nicht. Er hat sich nicht auf Basis christlicher Werte ein Ziel gesetzt, das er mit aller Macht verfolgen würde; er bricht nicht zu neuen Ufern auf. Er sitzt da, schaut zu und will nichts. Ein einziges Mal rafft er sich zu ein wenig Aktivität auf; aber da ist das Unglück schon gesehen, ist das Unrecht seinem Freund schon widerfahren. Am Ende kehrt er in den Schoß seiner Familie im Mittleren Westen zurück – ohne Jordan, denn auch für diese Beziehung konnte er sich nie richtig entscheiden.</p>
<p>Keine Hoffnung also, nirgends. Dieses deprimierende Bild entwirft F. Scott Fitzgerald mit erstaunlicher Leichtigkeit, ohne jedes Pathos, ohne jeden Belehrungswillen; fast merkt man nicht, was hier geschieht. Nicht zuletzt das macht aus „Der große Gatsby“ ein großes Buch.</p>
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		<title>Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernado Soares</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 14:23:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tanja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Bernado Soares]]></category>
		<category><![CDATA[pessoa]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Klappentext wird Fernando Pessoas „Buch der Unruhe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Klappentext wird Fernando Pessoas „Buch der Unruhe“ als ein „Jahrhundertbuch“ (Andreas Isenschmid) gepriesen. – Nach hunderten Seiten tapferer Lektüre (die Fischer-Ausgabe hat gut 530 Seiten) erschließt sich aber leider nicht, was an diesem Text tatsächlich epochal genannt werden dürfte. </p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=3596172187" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe>Der Autor, bzw. sein Alter Ego Hilfsbuchhalter Bernado Soares, schildert in loser Folge aus Fragmenten, Skizzen und Aphorismen Beobachtungen und Reflexionen über das Alltagsleben im Lissabon der 1930er Jahre und konfrontiert den Leser mit der permanenten Selbstreflexion des literarischen Ichs. Inhaltlich mäandern diese Betrachtungen durch einen immergleichen Themenkanon aus Landschaftsbildern, philosophischen Gedankenspielen über den Lauf der Zeit, Glaubens- und Menschenbild, Sprache und Literatur, um letztlich immer wieder um das zentrale Motiv Schlaf und Traum zu kreisen. </p>
<p>Auch wenn die Lektüre immer wieder durch sprachliche Kleinode belohnt wird, die wie literarische Perlen zwischen den Zeilen auf ihre Entdeckung warten, liegt die größte Herausforderung durchaus darin, dem Text auch so weit zu folgen, ohne sich in seitenlangen Schilderungen eines Regenschauers oder nächtlicher Schlaflosigkeit zu verlieren. Schon das Eingangsfragment der Hauptfigur verdeutlicht die größte Herausforderung bei dieser Suche nach sprachlichen Schätzen, die sich in einer „Autobiographie ohne Ereignisse“ verbergen: „Vermittels dieser Eindrücke ohne Zusammenhang und ohne den Wunsch nach Zusammenhang erzähle ich gleichmütig meine Autobiographie ohne Fakten, meine Geschichte ohne Leben. Es sind meine Bekenntnisse, und wenn ich in ihnen nichts aussage, so weil ich nichts zu sagen habe.“ (Fragment 12) Einziger Verbindungspunkt in einer Sammlung loser Textfragmente bleibt damit die Hauptfigur als Sprachrohr eines Ich-bezogenen Innenlebens, dessen größter Wunsch darin besteht, in eine Traumwelt einzutauchen. In diesem Leitmotiv des Traums liegt jedoch auch ein bitterer Beigeschmack, der das literarische Ich zunehmend in einer Aura der Trostlosigkeit erscheinen lässt. Die Hauptfigur idealisiert den Traum als einen Ausweg aus allen Unvollkommenheiten und Beschwernissen des Lebens, muss aber zunehmend erkennen, dass der vermeintliche Fluchtpunkt in Wahrheit in eine emotionale Sackgasse der Selbsttäuschung mündet: „Sosehr ich auch in mich dringe, alle meine Traumpfade führen zu Lichtungen der Angst.“ &#8211; „Träumen wozu? Was habe ich aus mir gemacht? Nichts.“ </p>
<p>Solche Momente der Selbsterkenntnis werden jedoch auch immer wieder von inhaltlich fragwürdigen Botschaften überlagert, die Fatalismus und Verzicht predigen, weil jede Form des Handels das Scheitern in sich trage; nicht das Leben müsse verändert werden, sondern die eigene Haltung. Folglich erscheinen aus dieser Perspektive Revolutionen oder politischer Protest allenfalls als ein Ausdruck von Dummheit und menschlicher Unzulänglichkeiten. Stellenweise offenbart sich in solchen Textabschnitten ein elitäres sozialdarwinistisches Menschenbild, wie in dieser Passage, in der die Hauptfigur sich selbst als geistigen Herrenmenschen adelt: „Doch zwischen mir und dem Bauern gibt es einen Qualitätsunterschied, zurückzuführen auf die Existenz abstrakten Denkens in mir und uneigennütziger Gefühle; zwischen ihm und der Katze besteht hingegen nur ein gradueller Unterschied.“ Erfreulicherweise bleiben solche Entgleisungen allerdings auf einige wenige Episoden beschränkt und lassen sich möglicherweise auch mit dem zeitgeschichtlichen Kontext des Textes erklären. </p>
<p>Andere Einträge lassen sich dagegen mit großem Vergnügen lesen – so zum Beispiel die farbige Schilderung einer trinkfreudigen Männerrunde und deren vermeintlicher Heldentaten: „Freilich überkommt uns, wenn eines dieser Individuen seine sexuellen Marathonläufe zum besten gibt, im Augenblick der siebenten Entjungferung ein undeutliches Misstrauen.“ – Die eigentlichen literarischen Höhepunkte des Textes liegen allerdings, sicherlich auch als Verdienst der Übersetzerin Inés Koebel, in den kurzen poetische Einschüben zwischen den Zeilen, die gewissermaßen als archäologische Fundstücke für einen Teil der literarischen Grabungsarbeiten entschädigen. </p>
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		<title>Gabriel Josipovici: Moo Pak</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Jan 2011 15:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Jonathan Swift]]></category>
		<category><![CDATA[Josipovici]]></category>
		<category><![CDATA[Moor Park]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Geschichte eines Scheitern - oder?

Seltsam altmo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Geschichte eines Scheitern &#8211; oder?</strong></p>
<p>Seltsam altmodisch kommt dieses Buch daher, altmodischer als das Erscheinungsdatum 1994 vermuten lässt (und die deutsche Version ist sowieso erst 2010 auf den Markt gekommen). Die Form erinnert stark an Thomas Bernhard, der ja auch schon einige Zeit tot ist, und die Hauptfigur ist ein Kulturpessimist alten Schlages, wie sie &#8211; so jedenfalls kommt es mir vor &#8211; längst im Aussterben begriffen sind. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen. Warum?</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=3518224573" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align=right></iframe>Von Spaziergängen wird hier berichtet: Jahrelang ist der Ich-Erzähler immer wieder mit Jack Toledano durch London gezogen und hat den Monologen Toledanos zugehört. Für den höchst zurückgezogen lebenden Toledano &#8211; niemand kennt seine Adresse, ein Telefon hat er nicht, seine Mitwanderer lädt er per Briefchen zu wechselden Treffpunkten &#8211; sind diese Spaziergänge  so ziemlich der einzige Sozialkontakt. Er nutzt sie, so scheint es, um seine Gedanken zu klären, um mit sich und der Welt zwischenzeitlich mal wieder ins Reine zu kommen &#8211; und um sein Projekt voranzutreiben. Seit er seine Lehrtätigkeit an der Universität aufgegeben hat, weil es ihm immer sinnloser vorkam, zu versuchen, der zeitgenössischen Jugend Literatur nahezubringen, arbeitet er ausschließlich als freier Schriftsteller. Immer wieder berichtet er vom Fortschritt seines großen Romans. Anhand von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Moor_Park,_Farnham">Moor Park</a> nähert sich Toledano dort dem Zustand unserere Zivilisation. Moor Park ist ein englischer Landsitz mit einer illustren Geschichte: Jonathan Swift &#8211; der für Toledano sehr wichtig ist &#8211; lebte dort ein Jahrzehnt als Privatsekretär von Sir William Temple; zumindest bei Toledano wird Moor Park im Laufe der Zeit ein Irrenhaus, eine Affen-Forschungsstation und eine Unterkunft für die Mathematiker, die während des Zweiten Weltkriegs die deutschen Depeschen dechiffriert haben.</p>
<p>Die Berichte über den Fortgang der Arbeiten an seinem Roman halten die Berichte über die verschiedenen Spaziergänge zusammen und geben ihnen auch inhaltlich eine Richtung. Ansonsten kommentiert Toledano nämlich, assoziativ von einem zum nächsten springend, so ziemlich jedes gesellschaftliche Phänomen der letzten Jahrzehnte. Was die Lektüre trotz der zur Schau getragenen elitären Haltung und eines zumindest mir übertrieben scheinenden Kulturpessimismus&#8217; nicht nur erträglich, sondern sogar lohnend macht, ist die Wahrhaftigkeit, die diese Figur ausstrahlt. Toledano ist, bei aller Rückwärtsgewandheit, ein aufmerksamer Beobachter, der seine Wahrnehmungen treffend in Worte zu fassen vermag; und er ist eine eigenständige Persönlichkeit, deren &#8211; teilweise starke &#8211; Meinungen immer seinem eigenen Denken (und nicht irgendwelchen Moden oder Konventionen) entspringen, weswegen seine Tiraden manchmal auch unerwartete Wendungen nehmen. Und er ist nicht nur ein guter Beobachter der Gesellschaft, sondern auch seiner selbst, was ihn zur Reflexion über sich, seine eigene Stellung in und seine Haltung zur Welt befähigt; im Gegensatz zu manch anderem, der ähnliche Meinungen zu Besten gibt, vermag Toledano sich selbst in Frage zu stellen.</p>
<p>So hat es mich geradezu traurig gestimmt, als Toledano seinem Gesprächspartner gegen Ende, als &#8220;Moo Pak&#8221; fast fertig zu sein schien, gestehen muss, dass er ihn die ganze Zeit angelogen hat: Ja, er hat zwar jahrelang an &#8220;Moo Pak&#8221; gearbeitet, aber in Wahrheit hat er nie ein Wort dieses Romans zu Papier gebracht. Zu seiner Rechtfertigung erklärt er, er habe immer gehofft, dass er kurz vor dem Durchbruch stehe; was er in den Gesprächen berichtet habe, sei sein Wunschbild gewesen; er habe gehofft, es durch seine Erzählungen der Realisierung näherzubringen.</p>
<p>So verschwindet Toledano aus unserer Welt &#8211; auch aus der des Erzählers: Seit dieser Beichte hat Toledano ihn nie mehr zu einem Spaziergang bestellt. Geblieben ist dieses Dokument eines gescheiterten Versuchs, das an die Stelle des eigentlich gewünschten Ergebnisses tritt: eine schöne, etwas melancholische Volte am Ende, die perfekt zur Atmosphäre des Verlusts passt, die diesen Roman durchzieht. Wie gut, dass uns wenigstens diese Aufzeichnungen von Toledanos Monologen geblieben sind!</p>
<p><em>Dieses Buch war kein Lesegruppenbuch.</em></p>
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		<title>Romain Gary: Frühes Versprechen</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Nov 2010 17:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiogr. Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter-Kind-Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Romain Gary]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Autobiographie eines erfolgreichen Muttersöhnchens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Autobiographie eines erfolgreichen Muttersöhnchens</strong></p>
<p>Wer ist Romain Gary? So fängt das Verwirrspiel schon an. Erst nach seinem Tod 1980 zeigte sich: Romain Gary war (auch) Émile Ajar und hat somit als einziger Schriftsteller zweimal den Prix Goncourt erhalten, der eigentlich nicht der gleichen Person noch einmal verliehen wird. Auch Fosco Sinibaldi, René Deville und einige andere sind mit Romain Gary identisch.<br />
<br />
<iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=3596184533" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe><br />
Und wie ist es mit dem Ich-Erzähler des &#8220;Frühen Versprechens&#8221;? Steckt Romain Gary auch hinter ihm? Das Buch wird zwar auf dem Umschlag &#8220;Roman&#8221; genannt, aber auf den ersten Blick wirkt es wie eine Autobiographie. Die Ähnlichkeiten in den Lebensläufen sind zu suggestiv: In Polen aufgewachsen, zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg mit der Mutter nach Nizza gezogen, im Zweiten Weltkrieg Kampfpilot, danach französischer Generalkonsul und erfolgreicher Schriftsteller.<br />
<br />
Wahrscheinlich ist es eine Aufgabe für Philologen, hier Übereinstimmungen und Differenzen auszuweisen. &#8220;Frühes Versprechen&#8221; jedenfalls ist höchst überzeugend und unterhaltsam. Wahrscheinlich hat vorher noch nie jemand so klar dargelegt, wie zwingend die Eigenschaft, Muttersöhnchen zu sein, zu Erfolgen in allen Lebensbereichen führen kann. Jedenfalls, wenn man so eine Mutter hat wie, nun, Romain Gary.<br />
<br />
Die Frau, die den Ich-Erzähler zur Welt gebracht hat, steht im Mittelpunkt dieses Buches. Sie ist getrieben von einer phantastischen Energie &#8211; in doppeltem Sinne: Zum einen kommt man nicht umhin, diese Frau zu bewundern, die immer wieder alles verliert und stets von neuem unverzagt etwas aufbaut (und dabei auch vor kleinen und größeren Lügen nicht zurückschreckt); zum anderen speist sich diese Energie aus einer Haltung zum Leben, der jegliche nüchterne Betrachtung fremd ist und die sich teilweise ins Phantastische versteigt.<br />
<br />
Nutznießer und Opfer dieser phantastischen Energie ist ihr Sohn: ihr Meisterwerk. Selbst wenn seine Mutter hungert &#8211; er hat immer etwas auf dem Teller; selbst wenn um sie herum alles in Trümmer fällt &#8211; er läuft fein gekleidet herum. Unerschütterlich ist sie, die möglicherweise einmal Schauspielerin war und zwischendurch, genau besehen, ihren Lebensunterhalt als Hausiererin bestreitet, davon überzeugt, dass aus ihrem Sohn einmal Großes werden wird. So wird ihm schon in jungen Jahren täglich klargemacht, dass er zu nichts geringerem als zum Helden geboren ist, zum Künstler, zum Schriftsteller, zum Politiker. Alle werden sie zu ihm aufschauen; die Welt wird ihm zu Füßen liegen.<br />
<br />
Dabei ist die Mutter durchaus flexibel. Nachdem angestrengte Versuche, aus dem Jungen einen Geigenvirtuosen zu machen, hörbar scheitern, verlegt sie ihre/seine Ambitionen halt auf andere Gebiete. Wird er eben Botschafter werden! Gefeierter Schriftsteller!<br />
<br />
Der Junge, der spürt, dass die gesamte Energie der Mutter auf ihn gerichtet ist, stellt sich der Aufgabe. &#8220;Gut&#8221;, verspricht er leichthin schon im Alter von acht Jahren, als seine Mutter mal wieder davon schwärmt, er werde französischer Botschafter werden. Sein Leben ist damit vorgezeichnet. Er wird zum Frauenhelden &#8211; das ist, was seine Mutter von einem richtigen Mann erwartet. Er wird zum Kampfpiloten &#8211; wo sonst könnte der Einzelne sich so deutlich sichtbar als Held bewähren! Er schreibt &#8211; und tatsächlich veröffentlicht eine Pariser Zeitung einen Text von ihm.<br />
<br />
Die Überzeugung seiner Mutter lässt den jungen Mann dem Leben wagemutig gegenüber treten: Solange er das noch nicht erreicht hat, was seine Mutter so unerrschütterlich prophezeit, kann er ja gar nicht sterben! Andererseits ist ihm klar, dass er seine Mutter auch nicht enttäuschen darf. Als die Zeitungen so schnell keinen zweiten Text von ihm drucken, behauptet er halt ihr gegenüber, die anderen Namen, die in den Blättern auftauchen, seien seine Pseudonyme. Als Pilot bemüht er sich mit teilweise kriminellen Mitteln um Einsätze, damit er sich auch ja im Kampf bewähren kann. So wird er von den unerschütterlichen Überzeugungen seiner Mutter durchs Leben getrieben &#8211; über deren Tod hinaus&#8230;<br />
<br />
An einigen Stellen übertreibt es Gary vielleicht mit dem ständigen Rückgriff auf die mütterlichen Prophezeiungen. Und es ist dem Buch auch anzumerken, dass es vor der sexuellen Revolution und dem Erstarken des Feminismus entstanden ist. Trotzdem ist es ein Vergnügen, &#8220;Frühes Versprechen&#8221; zu lesen. Es ist ein elegant geschriebenes, liebevolle Porträt einer außergewöhnlichen Frau &#8211; und nebenbei die Skizze eines vom Krieg zerrissenen Kontinents.</p>
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		<title>Marie NDiaye: Drei starke Frauen</title>
		<link>http://www.lesegruppe.de/2010/08/marie-ndiaye-drei-starke-frauen/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 16:42:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[NDiaye]]></category>
		<category><![CDATA[Vater-Kind-Beziehung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Feuilleton ist sich einig - die Lesegruppe auch?
 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Feuilleton ist sich einig &#8211; die Lesegruppe auch?</strong></p>
<p>Gerade erst erschienen, nahezu ein Bestseller: Solche Bücher sind selten bei der Lesegruppe. In Frankreich mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, in Deutschland in den Feuilletons einhellig gelobt: Konnten wir da etwas falsch machen?<br />
<iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=3518421654" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe><br />
Nun ja. Natürlich ist &#8220;Drei starke Frauen&#8221; kein schlechtes Buch, was sich allein schon daran zeigte, dass wir stundenlang über verschiedene Aspekte dieses Textes diskutieren konnten. Und natürlich hat es kein Werk leicht, das sich mit einer solchen Menge von Vorschusslorbeeren bekränzt zu uns schleppt; allzu leicht purzeln dabei einige herunter. Und so ist es, um das schon einmal vorwegzunehmen, auch diesem Buch von Marie NDiaye gegangen.<br />
<br />
Worum geht es? &#8220;Drei starke Frauen&#8221; verspricht der verblüffend programmatische Titel, und da fangen die Diskussionen schon an: Sind das wirklich drei starke Frauen, die uns NDiaye hier vorführt? In der ersten Geschichte eilt eine in Frankreich lebende Anwältin aufgrund eines Hilferufes ihres Vaters nach Afrika. Der alte Mann hatte die Familie einst verlassen, um in Afrika mit der Gründung eines Feriendorfes sein Glück zu versuchen &#8211; lange Jahre durchaus erfolgreich. Doch jetzt ist er alt und verarmt, sein riesiges Haus zerfällt, die Menschen, die er um sich geschart hatte, sind verschwunden. Seine Tochter Norah hat ihn lange nicht gesehen: Er hatte damals seinen Sohn Sonny mitgenommen, quasi entführt, was ihn dem Rest der Familie gründlich entfremdet hatte. Norah ist gespannt, was nun zu diesem Hilferuf geführt hat; richtig wohl fühlt sie sich allerdings nicht mit ihrer Entscheidung zu dieser Reise, nicht zuletzt, weil sie ihre eigene Familie zurückgelassen hat: Sie hat gern alles unter Kontrolle.<br />
<br />
Diese Kontrolle entgleitet ihr in Afrika zusehends. Ihr Vater verunsichert sie, nicht nur, weil er wie ein Vogel auf einem Baum über dem Hauseingang haust, sondern auch, weil er sich an viele Details der letzten Jahrzehnte ganz anders erinnert als Norah selbst. Norah wird unsicher: Hatte ihr Vater wirklich schon immer diesen Diener? Hat sie wirklich mal in einem Häuschen hier in der Stadt gelebt? Jetzt jedenfalls zieht sie in dieses Häuschen, übernimmt die Verteidigung ihres Bruders, der des Mordes angeklagt ist, und fühlt sich zunehmend wohl &#8211; so wohl, dass sie eines Abends zu ihrem Vater in den Baum klettert&#8230;<br />
<br />
Ist das nun eine starke Frau? Wir waren uns da keineswegs einig. Ja, sie ist ihren Weg gegangen, sie ist Anwältin geworden &#8211; aber dass sie sich nun in Afrika einlebt und neben ihrem Vater auf diesem Baum landet, scheint seine Ursache viel weniger in einer bewussten Entscheidung ihrerseits zu haben als dem subtilen Einfluss von Vater und Umgebung.<br />
<br />
Ähnlich ging es uns in Geschichten zwei und drei. In der zweiten fahren wir im Hirn eines Küchenverkäufers durch die Umgebung seines Arbeitsplatzes in einer französischen Stadt. Einst war er stolzer Lehrer an einem Gymnasium in Afrika gewesen, wo er auch seine Frau kennengelernt hatte, die aus ärmlichen Verhältnissen heraus ebenfalls zur Lehrkraft aufgestiegen war. Eine Schlägerei mit Schülern hatte ihm die Suspendierung eingebracht. Daraufhin hatte er seine Frau überredet, mit ihm nach Frankreich zu gehen. Da hat sie natürlich keinen Job bekommen und er den seinen nur durch Vermittlung seiner Mutter. Gedemütigt schleicht er durch seine Tage, so wie sie die ihren unzufrieden und unausgefüllt durchlebt. Nun hat er durch einen eklatanten Planungsfehler auch noch seinen Arbeitsplatz verloren. Während seiner Odyssee durch die Straßen der Stadt wird ihm so einiges über seine Vergangenheit klar. Aber kann das wirklich, wie angedeutet, von einem Moment auf den anderen sein Leben verändern und die ganze verfahrene Situation retten? Und wo liegt hier die Stärke der Frau? Dass sie ihren Mann ihre Misslaunigkeit spüren lässt? Eher scheint es auch hier die Geschichte einer Frau zu sein, die einst stark war, der das Leben dann aber doch einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.<br />
<br />
In der dritten Story schließlich ist die Hauptfigur eine junge Witwe. Notgedrungen lebt sie bei der Familie ihres verstorbenen Mannes, die sie täglich fühlen lässt, wie überflüssig sie ist und wie teuer es kommt, für sie zu sorgen. Also schicken sie Khady eines Tages mit ein wenig Geld auf eine lange Reise: Sie soll zu Verwandten nach Europa fahren &#8211; der Frau des Lehrers aus Geschichte Nummer zwei &#8211; und von dort Geld schicken. Khady ist zunächst völlig überfordert, dann aber zunehmend stolz auf sich: Sie entdeckt sich als eigenständige Persönlichkeit und ist davon so berauscht, dass alle Widrigkeiten der Reise nach Europa ihr nichts anhaben können. Und dieser Widrigkeiten gibt es so einige: Sie verletzt sich schwer an der Wade, als sie aus einem brüchigen Schlepperboot zurück an Land watet; sie wird ausgeraubt und fristet ihr Dasein monatelang als Prostituierte im Hinterzimmer eines Kiosks; schließlich stirbt sie beim Versuch, den Zaun zu einer der europäischen Enklaven in Nordafrika zu überwinden. Aber, wie gesagt, all das macht ihr nichts aus. Ist das Stärke &#8211; oder nicht eher völlige Verblendung?<br />
<br />
Abgesehen von der Frage nach der Stärke der Frauen gibt es bei diesem Buch natürlich noch eine Reihe von anderen Aspekten. Was die Lektüre auf jeden Fall lohnend gemacht hat, ist das Changieren zwischen Europa und Afrika in diesem Text. NDiaye präsentiert keine afrikanische Folklore, bei der man genüsslich das Fremdartige goutieren könnte. Alle Figuren in diesem Buch haben einen Bezug zu beiden Welten, die auf diese Weise unauflöslich miteinander verbunden und getrennt zugleich erscheinen &#8211; ein zeitgemäßer und angemessener, aber gar nicht so leicht umzusetzender Ansatz.<br />
<br />
Ist der Text in dieser Hinsicht also höchst realistisch, durchziehen ihn andererseits auch durchgehend magische Momente. Der in seinem Baum hockende Vater der ersten Geschichte, die plötzlich in Afrika auftauchende und wieder verschwindende Familie von Norah; die verzerrte Wahrnehmung des Mannes in der zweiten, der Raubvogel, der sich, eingebildet oder tatsächlich, immer wieder auf ihn stürzt; Khadys unerschütterliches Selbstbewusstsein in der dritten, das die Außenwelt nur wie durch einen Schleier zu ihr dringen lässt &#8211; Elemente wie diese geben den Erzählungen etwas sehr Subjektives, verstärken die Verbindung mit dem Bewusstsein der Hauptfiguren, überziehen alles aber auch mit einem surrealen Schleier, der zumindest bei mir zu einer gehörigen Distanz zu den Figuren gesorgt hat.<br />
<br />
Wozu auch die Konstruiertheit des Textes beigetragen hat. An vielen Stellen empfand ich das Buch als zu gewollt &#8211; sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Manche symbolträchtigen Bilder werden bis zur Penetranz zitiert, der Mann der zweiten Geschichte stürzt von einem Bewusstseinszustand in den nächsten, die Geschichten werden lose miteinander verbunden, ohne dass das eine Rolle spielen würde: Rund ist der Text nicht und auch nicht bewusst sperrig; &#8220;too much&#8221; trifft es vielleicht am ehesten, spürbare Bemühtheit.<br />
<br />
Kein Meisterwerk also, wir waren nicht so begeistert wie vom Feuilleton eingefordert. Vielleicht beim nächsten Mal.</p>
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		<title>Thomas Bernhard: Beton</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 14:29:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maximilian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiogr. Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Beton]]></category>
		<category><![CDATA[Mendelssohn-Bartholdy]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Bernhard]]></category>

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		<description><![CDATA[Der österreichische Grantler mal erschreckend anders
 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="_mcePaste"><strong>Der österreichische Grantler mal erschreckend anders</strong></div>
<div><strong><br />
</strong></div>
<div id="_mcePaste">
Zu Beginn wirkt &#8220;Beton&#8221; wie ein typischer Bernhard-Text. Da ist der Ich-Erzähler, der außer sich selbst und der wenigen Weltumstände, die ihn direkt betreffen, nichts wahrzunehmen vermag, und der um sich selbst, sein eigenes Leiden, seinen eigenen Hass wortreich kreist, in langen Sätzen, in stetigen Wiederholungen. Hier heißt der Herr Rudolf, und er versucht seit Jahren, einen Aufsatz über den Komponisten Mendelssohn-Bartholdy zu schreiben. Man kann Rudolf nicht vorwerfen, das Unternehmen nicht akribisch vorbereitet zu haben: Ganze Räume seines Elternhauses in kalter österreichischer Bergeinöde sind mit Material gefüllt, das Wichtigste ist fein säuberlich auf dem Schreibtisch ausgebreitet. Allein: Es fehlt der erste Satz, es fehlt der Impuls zum Beginnen. Das treibt Rudolf in den Wahnsinn. Ein Ritual nach dem anderen erprobt er, um endlich ins Schreiben zu kommen, aber nichts funktioniert.</div>
<div></div>
<div id="_mcePaste">
<br />
<iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=FFFFFF&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=3518415050" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe>Wer ist schuld? Natürlich nicht Rudolf, nein: seine Schwester ist&#8217;s. Sie ist der radikale Gegenentwurf zum weltabgewandten Intellektuellen Rudolf: Sie ist erfolgreiche Maklerin, sie kennt Gott &amp; die Welt, ständig treibt sie sich auf Partys herum, unablässig knüpft sie Kontakte, voller Freude vermehrt sie ihren Besitz. Und leider, leider tut sie das alles nicht nur in Wien: Immer wieder stört sie ihren Bruder im Elternhaus auf, und der kann es nicht verhindern, weil seine Schwester im Testament der Eltern zu seinem Unglück ein lebenslanges Wohnrecht in eben diesem Hause eingeräumt bekommen hat. Allein schon der Gedanke, dass seine Schwester jeden Moment in der Tür stehen könnte, hält Rudolf schon von jedem eigenen Gedanken fern.</div>
<div></div>
<p></p>
<div id="_mcePaste">So weit, so gut, so typisch. Doch schnell zeigt sich zum Glück, dass es so einfach nicht ist. Der Hass, den Rudolf gegen seine Schwester hegt, ist nur eine Seite der Medaille, und das weiß Rudolf selbst. Natürlich, sie stört ihn, sie geht ihm auf die Nerven; aber könnte es nicht sein, dass sie das wirklich tut, weil sie ihm Gutes will? Ist sie nicht die letzte, die sich noch aus eigenem Antrieb um ihn kümmert? Und hat sie nicht Recht damit, dass er einmal wieder herauskommen müsste aus dem düsteren Haus?</div>
<div></div>
<div id="_mcePaste">Sie hat Recht. Und so bucht Rudolf unter Auferbietung aller Kräfte &#8211; zu allem Überfluss hat er auch noch Morbus Boeck, kann sich immer schlechter bewegen, alles fällt ihm immer schwerer, vielleicht stirbt er ja bald &#8211; einen Flug nach Mallorca. Auch das ist im Endeffekt nur eines seiner Rituale, schon oft ist er dorthin gereist, schon oft hat er dort versucht zu schreiben. Und natürlich funktioniert es auch diesmal nicht: Er kommt an, aber sobald er auf der Insel im Café sitzt, fällt ihm die junge österreichische Frau ein, die er im Jahr zuvor getroffen hatte.</div>
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<div id="_mcePaste">Und hier passiert das Wunder: Bernhard verlässt seinen Ich-Erzähler, Bernhard erzählt von jemand anderem! Natürlich nicht völlig, wir erfahren die erschütternde Geschichte der jungen Frau aus dem Munde von Rudolf. Aber doch weitet sich der Blick, aus dem Hirn des Erzählers geht es raus in die Welt, plötzlich geht es um ein Geschehnis, das mit dem Erzähler nur insoweit zu tun hat, als er zufällig davon erfahren hat.</div>
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<div id="_mcePaste">Rudolf hatte damals die verzweifelt wirkende junge Frau angesprochen, und die hatte nicht gezögert, ihm ihr Leid zu klagen: Ihren eigentlich ganz zufriedenen Mann hatte sie in die Selbständigkeit gezwungen; der Elektroladen in München ging über ihre Kräfte, und noch dazu drohte ihm schnell die Pleite; um etwas auszuspannen, waren sie mit ihrem kleinen Kind nach Mallorca gekommen; dort war der Mann des Nachts auf den Hotelbalkon getreten und in den Tod gestürzt.</div>
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<div id="_mcePaste">Erschüttert war Rudolf mit der jungen Frau zu dem billigen Hotel gefahren und hatte sich auf dem Friedhof das Grab zeigen lassen. Nun, ein Jahr später, zieht es ihn wieder dorthin &#8211; und voller Schrecken muss er feststellen, dass auf dem Grabstein neben dem Namen des Mannes nun auch der der Frau steht: Selbstmord, wie ihm ein Friedhofsangestellter verrät. Erschüttert kehrt Rudolf ins Hotel zurück, nimmt mehrere Schlaftabletten und wacht nach 26 Stunden wieder auf &#8211; &#8220;in höchster Angst&#8221;.</div>
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<div id="_mcePaste">Was anfangen mit diesem merkwürdigen Text? Er ist meisterhaft geschrieben, die Sätze mit ihren Wiederholungen und Insichselbstverschlingungen korrespondieren zum musikalischen Thema &#8211; aber woher dieser Bruch, wieso plötzlich diese andere Geschichte in der zweiten Hälfte des Buchs? Wie die Werkausgabe mit ihrem Rezeptionsüberblick zeigt, hat das schon beim Erscheinen 1982 die Kritiker herausgefordert: Jeder hat sich seine eigene Lösung ausgedacht, keine überzeugt völlig. Am naheliegendsten ist noch, vom letzten Wort des Textes auszugehen: der &#8220;Angst&#8221;. Zwar zeigt sich Rudolf das ganze Buch über als Bedenkenträger ersten Ranges, aber Gefühle sind seine Sache nicht. Erst ganz am Ende zeigt er eines: eben diese Angst. So gesehen lässt sich &#8220;Beton&#8221; als Geschichte einer Geburt lesen, so wird auch das Titelwort mehr als die Anspielung auf die Betonplatte, auf die der Mann vom Balkon aus geknallt ist: Rudolf, erstarrt im Gehäuse seines Elternhauses, zu Wahrnehmungen außerhalb seiner kaum noch fähig, das Gefühlsleben einbetoniert, kommt durch die Reise nach Mallorca und durch den Schock auf dem Friedhof in die Welt zurück. Er vermag wieder etwas außer sich wahrzunehmen, er hat wieder Gefühle.</div>
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<div id="_mcePaste">Abgesehen von diesem Versuch, das Buch zu &#8220;verstehen&#8221;, bleibt der Text vor allem eins: ein großer Lesespaß &#8211; jedenfalls für einige aus der Lesegruppe!</div>
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		<title>T.C. Boyle: América</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jun 2010 16:58:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulja</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[América]]></category>
		<category><![CDATA[American Way of Life]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderer]]></category>
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		<description><![CDATA[Rassismus und Frauenverachtung

„T.C. Boyle schilde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rassismus und Frauenverachtung</strong></p>
<p>„T.C. Boyle schildert in seinem Roman ›América‹ schonungslos, wie hart das Schicksal von Migranten ist, die in ein Land kommen, in dem sie nicht erwünscht sind“ &#8211; soweit eine der vielen positiven Stimmen bei Amazon.</p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=FFFFFF&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=dielese-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;asins=2253146595" style="width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0" align="right"></iframe><br />
Vordergründig sieht es so aus, als würde der Autor auf der Seite der armen und unterdrückten mexikanischen Einwanderer stehen und gleichzeitig den American Way of Life kritisieren. Das ist jedoch nur das sozialkritische Aushängeschild dieses Textes. Dahinter kommt eine zutiefst rassistische und frauenverachtende Sichtweise des Autors zum Vorschein, die aus dem Buch schlussendlich sogar eher eine Rechtfertigung der US-amerikanischen Lebensweise werden lässt.</p>
<p>Vordergründig ist dieses Buch auch spannend. Schnell merkt man aber, wie konstruiert die Geschichte ist, so konstruiert, dass die Lektüre keinen Spaß mehr macht, weil man immer schon vorher weiß, was passieren wird.</p>
<p>Da ist zunächst das amerikanische Paar. Die Frau ist Immobilienmaklerin, der Mann Autor (es scheint in Amerika nur diese zwei Berufe zu geben&#8230;). Morgens trinkt die Immobilienmaklerin Vitamingetränke, statt zu frühstücken, und das Kind muss Müsli essen, obwohl es lieber Ei und Speck möchte wie die anderen Kinder aus seiner Klasse. Der Mann, der Autor, schaut zu, möchte ebenfalls Speck mit Eiern essen und muss doch die Sichtweise der Frau dem Kind gegenüber verteidigen. Ok, ein müdes Lächeln. So besonders neu und witzig ist das allerdings nicht.</p>
<p>Die Gegenseite wird durch die illegalen Einwanderer Cándido, seine schwangere Freundin América und viele andere mexikanische Tagelöhner dargestellt. Die mexikanischen Männer erscheinen in dem Buch durchweg als dumm, hässlich, unappetitlich, stinkend und mit schlechten Zähnen versehen &#8211; und sie sind darauf aus, Frauen zu vergewaltigen. Sie stehlen, verschandeln die schöne Natur durch den Müll, den sie überall herum liegen lassen &#8211; und sie sind dafür verantwortlich, dass sich keiner mehr sicher fühlen kann.</p>
<p>So macht uns Boyle klar, wie schwer es fällt, Verständnis zu haben für diese „Tiere“, die &#8211; ähnlich wie die Kojoten, die in den umzäunten Garten der Musterfamilie eindringen und dort einen nach dem anderen die niedlichen Haushunde der Immobilienmaklerin ergreifen und töten &#8211; eine Bedrohung sind. Bald empfinden das auch die gutmütigsten Amerikaner so, gutmütige, liberal eingestellte Amerikaner wie die Hauptfigur, die ihren Lebensunterhalt mit Kolumnen über ihre Naturerlebnisse verdient. Was sollen die armen Amerikaner denn tun? Sie müssen sich abschotten, müssen das Tor und die Mauer um ihre Siedlung bauen lassen, um sich vor den Mexikanern und den Kojoten zu schützen.</p>
<p>Unübersehbar genießt es der Autor, die junge Mexikanerin América, Titelgeberin des Romans, nackt und verfolgt durch die Steppe laufen zu lassen, genießt es, sie in einem Luxusschlitten von einem dicken Amerikaner befingern zu lassen. Das soll spannend sein, ist es aber nicht. Es ist langweilig wie deutsches Privatfernsehen, platt, vorhersehbar, klischeehaft und gewollt emotional aufwühlend (wenn man sich darauf einlässt).</p>
<p>So wird &#8211; nachdem T.C. Boyle über Dutzende von Seiten hinweg penetrant die entsprechende Drohkulisse aufgebaut und Andeutungen gemacht hat &#8211; die schwangere América vergewaltigt, von ihren eigenen mexikanischen Landsleuten; ebenso eine ältere Amerikanerin und eine Trekkerin, die es wagte, allein wandern zu gehen. Nur die Immobilienmaklerin, die T.C. Boyle kleidet „wie eine Prostituierte“, bringt er vor den gierigen mexikanischen Männern in Sicherheit. Im letzten Moment, versteht sich, so dass der Leser sich noch alles schön ausmalen und die Leserin erschaudern kann.</p>
<p>Da das ganze sozialkritisch sein will, sollen wir den Name der jungen schwangeren mexikanischen Frau América als Sinnbild für das geschundene Amerika verstehen, in dem América und ihr Mann, wie die heilige Familie, keinen Platz zum Leben finden und überall abgewiesen werden.</p>
<p>Der Autor wollte vielleicht etwas Gutes tun, ein Buch über unerwünschte Einwanderer schreiben, auf der Seite der Geächteten sein: Seine wahre Sichtweise ist aber zutiefst rassistisch und frauenfeindlich, und die sozialkritische Haltung dient nur als Alibi, um seine sexuellen Gewaltphantasien gemischt mit rassistischen Vorurteilen zu präsentieren.</p>
<p>Vor einigen Jahren gab es für mich ab und zu einen Grund, Fernsehen zu schauen. Das literarische Quartett traf sich und besprach, ähnlich wie wir in der Leserunde, Bücher. Einer meiner Lieblingsakteure hatte ungefähr zehn wunderbare Standartsätze, die zu meiner Beglückung immer wieder abgespult wurden. Einer davon, der die anderen schier zur Verzweiflung brachte, hieß: Warum soll ich das lesen?</p>
<p>Literatur, die ich gerne lese, berührt und überrascht mich, verändert oder erweitert meine Sicht, öffnet und transzendiert, was ich möglicherweise nur erahne, weitet den Himmel und lotet die Tiefe, unterhält mich, ist voller Wortschöpfungen, Witz und hat eine neue Perspektive.</p>
<p>Dieses Buch dagegen ist eng, angsteinflößend, Vorurteile abspulend und hinterlässt einen schalen und abgestandenen Geschmack.</p>
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